Gesundheitsreform: Fluch oder Segen?

Krankenkassen leiden unter dem Zusatzbeitrag

Montag, 02. Aug 2010, 16:19
Hunderttausende gesetzlich Versicherte haben seit der Einführung der Zusatzbeiträge die Krankenkasse gewechselt. Noch immer ist unklar, wie es in den nächsten Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung weitergehen soll. Nach der Sommerpause wird ein neuer Entwurf für die Gesundheitsreform erwartet, der für noch größere Preisunterschiede sorgt.
Die Krankenkassen benötigen einen Umbruch im Gesundheitssystem.

Die Krankenkassen benötigen einen Umbruch im Gesundheitssystem.

Das Gesundheitssystem steht nach wie vor auf der Kippe, viele Krankenkassen bangen um ihre Existenz. Ein Ausgleich des Milliardenminus im Finanzhaushalt der gesetzlichen Krankenversicherung scheint unerreichbar. Experten warnen schon seit geraumer Zeit vor einer Veränderung der Krankenkassenlandschaft in Deutschland, denn für viele scheint eine Fusion mit einem anderen Unternehmen als letzter Ausweg. Die geplante Gesundheitsreform nimmt immer genauere Züge an. Die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung sollen um 0,6 Prozentpunkte auf insgesamt 15,5 Prozent steigen. Gleichzeitig soll die derzeitige Grenze von einem Prozent für den Zusatzbeitrag künftig ganz entfallen. Nachdem heftig über eine zwei-Prozent-Grenze diskutiert wurde, soll diese nun voraussichtlich ab 2012 gänzlich abgeschafft werden. Die Krankenkassen können damit einen unbegrenzten Aufschlag zusätzlich zum gesetzlichen Beitrag vom Versicherten verlangen, ohne eine Einkommensprüfung machen zu müssen. Alle Beträge, die überhalb der zwei-Prozent-Grenze liegen, sollen jedoch durch den Sozialausgleich finanziert werden. Gesundheitsminister Philipp Rösler, der lange für ein Umdenken gekämpft hat, scheint nun bald am Ziel zu sein. Die Weichen für einen Umbruch im Gesundheitssystem scheinen gelegt.

Zusatzbeiträge vertreiben Versicherte

Viele Krankenkassenchefs zeigen sich besorgt. Besonders kleinere Krankenkassen ohne finanzielle Rücklagen seien auf derartige Pauschalen angewiesen, da die Finanzlage der gesetzlichen Versicherungsträger bei weitem nicht einheitlich ist. Jüngste Ereignisse haben gezeigt, dass Aufschläge die Versicherten zum Krankenkassenwechsel bewegen. Mittlerweile wird sogar von einer „Todesspirale für die Krankenkassen“ geredet. Versicherungsunternehmen mit Zusatzbeiträgen verlieren zahlreiche Mitglieder, während andere Krankenkassen ohne Zusatzbeitrag hunderttausende neue Versicherte verzeichnen können. Ähnliche Szenarien werden nun auch mit der Einführung der Pauschalen erwartet.

Unseriöse Werbung neuer Mitglieder

Der Existenzkampf unter den Krankenkassen soll sich wieder einmal verschärfen. Mittlerweile wird sogar von Kassenvertretern berichtet, die auf sehr zweifelhafte Weise versuchen, neue Versicherte zu gewinnen. Sie versuchen potentielle Mitglieder mit ihren Spekulationen zu überzeugen, welche konkurrierende Krankenkasse in nächster Zeit einen Zusatzbeitrag erheben könnte. Es ist offensichtlich, dass der Wettstreit unter den gesetzlichen Versicherungsträgern nach und nach hässliche Züge annimmt. Mit einem Entwurf für die Gesundheitsreform seitens des Gesundheitsministers wird noch im September gerechnet.