Krankenkassenwechsel
Mehr Privatpatienten wollen in die Gesetzliche wechseln
Montag, 09. Jan 2012, 10:54
Immer mehr PKV-Versicherte wollen offenbar in die Gesetzliche
Aufgrund der stetig steigenden Prämien in der privaten Krankenversicherung denken offenbar mehr Privatversicherte über einen Wechsel in eine gesetzliche Krankenkasse nach. Wie “Der Spiegel” mitteilt, seien allein im vergangenen Jahr rund 68.000 Privatversicherte zur Techniker Krankenkasse (TK) gewechselt. Das wären zwölf Prozent mehr als noch im Vorjahr. Bei der Barmer GEK wechselten rund 27.600 ehemalige Privatpatienten, ein Anstieg um neun Prozent. Der Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) ist allerdings anderer Meinung: Demnach würden jedes Jahr weitaus mehr gesetzlich Versicherte in die PKV wechseln als umgekehrt. Wenn die gesetzlichen Krankenversicherungen einen anderen Anschein zu erwecken suchten, sei das “unseriös”, erklärte PKV-Sprecher Stefan Reker gegenüber den “Stuttgarter Nachrichten”.
Flucht aus der PKV zu den Krankenkassen
“Bei uns häufen sich die telefonischen Anfragen von Privatversicherten, die zur AOK kommen wollen," berichtet Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland/Hamburg dem “Spiegel”. In dieser Häufung habe er Anfragen Privatversicherter noch nicht erlebt. Ähnliches würden auch andere Krankenkassen berichten. Grund seien insbesondere die steigenden Prämien einiger privater Versicherer. Die Tatsache, dass 2012 vermutlich keine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erheben wird, wird diesen Trend zur GKV vermutlich noch verschärfen.
Gesetzliche Hürden bei Wechsel von PKV in GKV
Den meisten Wechselwilligen können die Krankenkassen allerdings nicht helfen. Hintergrund: Der Gesetzgeber hat den Wechsel von der PKV in eine gesetzliche Krankenkasse in den vergangenen Jahren deutlich erschwert. Zugang zur Gesetzlichen erhalten lediglich Privatpatienten, die arbeitslos werden (bei Alg I-Bezug) sowie Angstellte, sofern ihr jährliches Bruttoeinkommen unter die Versicherungspflichtgrenze von aktuell 50.850 Euro rutscht und sie nicht älter als 55 Jahre sind. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass die Versicherten zur Privaten gehen, solange sie jung und gesund sind und bei steigenden Beiträgen im Alter wieder ins gesetzliche System zurückkehren.
PKV-Verband weist Medienberichte als “unseriös” zurück
Die Zahlen der gesetzlichen Kassen bezeichnete der PKV-Verband indes als “nicht seriös”. Eingerechnet seien demnach nicht diejenigen, die aus dem gesetzlichen Krankenversicherungssystem zu den Privaten gingen. Die Zahl falle seit Jahren zu Gunsten der Privaten aus, heißt es weiter. PKV-Sprecher Reker fügte zudem hinzu, die gesetzliche Krankenversicherung müsste ihre Beiträge um zehn Prozent erhöhen, “bekäme sie nicht 15 Milliarden Euro jährlich Zuschuss auf Kosten der Steuerzahler, ganz zu schweigen von Praxisgebühren, Zuzahlungen und Leistungskürzungen”.